Gaslight“ – ein Psychothriller der Extraklasse

Gaslight Bella, Jack SzenenfotoDer perfide Bösewicht Jack treibt seine Frau Bella systematisch in den Wahnsinn Foto: ETH/ Stefan Kock

Gelungene Neuinszenierung eines Klassikers am English Theatre of Hamburg

„Gaslighting“ ist in der Psychologie seit Jahrzehnten ein fester Begriff, der eine perfide Form des psychischen Missbrauchs bezeichnet: die emotionale Manipulation des Gegenübers – so lange und intensiv, bis dieser an seinem eigenen Verstand und seiner Wahrnehmung zweifelt. Im Theaterstück „Gaslight“, das zur Zeit am English Theatre of Hamburg gespielt wird, verdunkelt sich beispielsweise immer wieder das Licht:  Jedes Mal, nachdem ihr Mann Jack abends das Haus verlassen hat – angeblich, um ungestört zu arbeiten oder in den Club zu gehen – bemerkt seine Frau Bella, wie die Lampen im Wohnzimmer flackern und gedimmt werden. Zwar leicht nur, doch nicht zu übersehen. Sonst befindet sich niemand im Haus, und so stellt sich Bella die Frage, ob es wirklich so passiert, oder sie sich das alles, wie Jack behauptet, nur einbildet…

Diese Szene aus Patrick Hamiltons Psychothriller „Gaslight“ von 1938 zeigt exemplarisch, wie Jack seine Frau Bella mittels perfider Methode in den Wahnsinn treiben will. Es gelingt dem aalglatten   Betrüger tatsächlich, aus seiner etwas naiven, devoten Ehefrau Schritt für Schritt ein verängstigtes Nervenbündel zu machen, das an sich und seiner geistigen Gesundheit zweifelt… Neben dem leichten Dimmen des Gaslichtes, das dem Theaterstück den Titel gab, fallen Jack diverse weitere Niederträchtigkeiten ein: Er isoliert Bella, versteckt Gegenstände, bestreitet ihre Erinnerung und bestärkt sie dabei stets in dem Glauben, es sei ihre eigene Schuld, und sie habe von ihrer verstorbenen Mutter vermutlich deren Geisteskrankheit geerbt….      

Das Gothic-Drama spielt in der viktorianischen Zeit und gilt als eine der ersten literarischen Schilderungen psychischer häuslicher Gewalt. Für den Zuschauer sind die sich am Ende offenbarenden Erklärungen für Jacks Verhalten keine Überraschung, und mit Hilfe des mit dem Fall seit Jahren beschäftigten Ex-Inspektors Rough kommt zuetzt auch Bella dahinter: Ihr eigener Mann ist schuld an ihrem Zweifel an der eigenen Wahrnehmung! Auf der allabendlichen Suche nach den verschwundenen Juwelen der reichen, von ihm vor Jahren ermordeten Vorbesitzerin des Hauses verursacht Jack auf dem Dachboden, wo deren Nachlass aufbewahrt wird, das Geräusch von Schritten und sorgt durch Anzünden des Gaslichtes oben für einen leichten Druckabfall in der darunter liegenden Wohnung. 

Gaslight Ensemble
• Das hervorragend agierende Darsteller-Team macht „Gaslight“ zu einem Psychothriller der Extraklasse Foto: ETH/ Stefan Kock

Inspektor Rough sorgt letztlich dafür, dass Jack wegen Mordes verhaftet wird, und es bleibt eigentlich nur eine Frage: Tauchen die verschwundenen Juwelen der vor 20 Jahren ermordeten Vorbesitzerin wieder auf? Wer irgendwann den Hollywood-Klassiker von George Cukor aus dem Jahr 1944 mit Ingrid Bergman und Charles Boyer gesehen hat und meint, die Lösung zu kennen, ist aber auf dem Holzweg… Denn im Film gelten andere Gesetze als im Theaterstück auf der Bühne!

„Gaslight“ wird gespielt im English Theatre of Hamburg bis zum 17. Januar 2026.  Profunde  Englischkenntnisse sind hilfreich, doch dank des exzellenten Ensembles kann man der Handlung auch mit durchschnittlichen Sprachkenntnissen gut folgen. Schließlich wird kein vernuscheltes English gessprochen. Karten – wochentags ab 29 Euro, am Wochenende ab 32 Euro – gibt es unter der Festnetznummer 040-227 70 89, oder im Internet unter www.englishtheatre.de