Haus mit maritimem Flair und einmaliger Historie ist eine Pinneberger Institution.
Was dem historischen Drei-Schrauben-Schnelldampfer „Cap Polonio“ mit einer Länge von über 200 Metern und einer Geschwindigkeit von 19 Knoten auf See nicht länger als 13 Jahre lang vergönnt war, währt an Land nun bereits volle 90 Jahre: Das Pinneberger Hotel „Cap Polonio“ mit der originalen Einrichtung aus dem Speisesaal der ersten Klasse des Luxusliners „Cap Polonio“ vermittelt die historische Dampfschiffahrts-Atmosphäre der „Goldenen Zwanziger Jahre“ und feiert seinen runden Geburtstag mit einer buchbaren Gala-Veranstaltung am 1. August 2025.

Wie es dazu kam, dass die „Cap Polonio“ in Pinneberg endgültig vor Anker ging, ist eine spannende Geschichte. Als Flaggschiff der Hamburg-Süd konzipiert, war sie jahrelang die Nummer Eins der im Hamburger Hafen beheimateten Handelsflotte und wurde als größtes und schönstes Schiff im Südamerika-Dienst gerühmt. Im März 1914 lief die „Cap Polonio“ bei der Blohm & Voss vom Stapel, doch wurde sie bald ein Opfer der Umstände. Nicht einmal eine normale Jungfernfahrt war ihr vergönnt, denn es herrschte Krieg: Der schwimmende Palast wurde von der Kaiserlichen Marine beschlagnahmt und aller Luxus wieder ausgebaut.

@ Cap Polonio
Anstatt Passagiere zu befördern, musste das Schiff unter dem Namen „Vineta“ mit Geschützen im Ersten Weltkrieg als Hilfskreuzer operieren. Dieser Aufgabe war der Dampfer aber nicht gewachsen, und so wurde auf Beschluss des Reichstages die „Cap Polonio“ erneut zu Blohm & Voss geschickt. Im Februar 1922 schließlich verließ das Schiff den Hamburger Hafen und nahm mit Kapitän Ernst Rolin zum ersten Mal unter seinem ursprünglichen Namen Kurs auf Südamerika. Nach acht Jahren Einsatz musste das Schiff jedoch 1927 der einen Knoten schnelleren „Cap Arkona“ Platz machen. Es machte noch einige Vergnügungsreisen nach Skandinavien und begab sich schließlich im Sommer 1935 auf seine letzte Fahrt zur Abwrackwerft nach Bremerhaven.
An diesem scheinbar endgültigen Tiefpunkt begann indessen der dritte und langlebigste Abschnitt der „Cap Polonio“: Otto Olbers, Pinneberger Hotelier und jahrelang leitender Ingenieur auf dem Schiff, setzte der schwimmenden Schönen an Land ein Denkmal: Er ersteigerte das hochwertige Inventar des First-Class-Speisesaals, baute damit sein Hotel aus und nannte es fortan „Cap Polonio“.
Ein volles Jahr war erforderlich, bis die über Elbe und Pinnau verschifften originalen wertvollen Wandvertäfelungen aus Rosenholz, Ledertapeten, Lampen und Heizkörperverkleidungen aus Messing sowie die eleganten Möbel ihren endgültigen Bestimmungsort erreichten. Olbers und seine Frau Christine begründeten so die Tradition eines kleinen Nobelhotels, das bis heute ein Familienbetrieb ist. Hildegard und Hermann Harder führten das Haus dann in zweiter Generation, und ab 1986 folgte die dritte Generation mit Ute Harder-Lobe, Michael und Marlies Ostermann, Roland und Heike Harder sowie Kay und Kristiane Wulf.
2004 schließlich übernahm als vierte Generation ein Duo: Marc M. Ostermann zeichnet für die Küchenleitung und Philipp Harder-Lobe für den Rezeptionsbereich verantwortlich. Beide sind stolz darauf, dass ihr Hotel und sein historisches Flair mittlerweile zur Legende geworden sind:
„Sogar die Bundespost hat 1977 eine Briefmarke herausgebracht, die den eindrucksvollen Schiffsrumpf des Schnelldampfers ‚Cap Polonia‘ zeigt.“
Tivia
Das Cap Polonio selbst liegt in Uruguay (Departamento Rocha) und ragt in den Südatlantik (Koordinaten: ♁34° 24′ 0″ S, 53° 47′ 0″ W) hinein und ist ein Naturschutzgebiet.
